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DL4AI > IMKER 23.03.97 16:42l 149 Lines 6203 Bytes #999 (999) @ DL
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Hallo Imkerfreunde,
ein Kollege aus diesem Kreis hat mich gefragt, ob ich über
WACHS etwas hätte, daher habe ich den folgenden Bericht
geschrieben, und ich hoffe, er findet allgemeines Interesse..
Bekanntlich produzieren unsere Bienen auch Wachs. Wenn bei
den Jungbienen sich die Funktion der Futtersaftdrüsen
vermindert, treten die Wachsdrüsen stark in Tätigkeit.
Die Ammenbiene wird zur Baubiene. In der Regel ist dieses
vom 12. bis 18 Tag. Aber durch Fütterung und Wärme können
auch ältere Bienen wieder zur Bautätigkeit veranlaßt
werden. Zwischen den letzten vier Bauchschuppen der Bienen
sind Wachsdrüsen und das Wachs tritt in Form von
kleinen Schuppen hier aus. Das Wachs wird von den Bienen
zum Bau und zur Verdeckelung von Brut- und Honigzellen
benutzt. Die Bienen bearbeiten die Plättchen mit ihren
Mandibeln und formen damit die Zellen. Zwischen dem Kopf
und dem Thorax haben Bienen feine Borsten, die als
Tastorgane ausgebildet sind. Dieses sind die
Schweresinnorgane und die Bienen sind hierdurch in der
Lage im dunklen Bienenstock die sechseckigen Zellen
gleichmäßig zu bauen. Die Richtung des Wabenbaus ist
meistens von dem Menschen vorgegeben, andernfalls
orientieren sich die Bienen nach dem Erdmagnetfeld.
Wir wissen, daß die sechseckige Form die optimale Form
ist. Es bleiben keine ungenutzten Zwischenräume. Das wäre
bei drei- und viereckigen zwar auch möglich, aber
Sechsecke haben den kleinsten Umfang und erfordern daher
bei gleichem Fassungsvermögen am wenigsten Baumaterial.
Eine Wabe kann bis zu 2 kg Honig aufnehmen und die Bienen
benötigen hierfür nur 40 g Wachs. Die Zellwände sind nur
1/10 Millimeter dick. Ein Carnicavolk kann im Jahr ca. 1kg
Wachs produzieren.
Bienenwachs ist im kalten Zustand eine brechende, spröde
hellgelbe Masse. Der Geruch ist honigartig. Älteres oder
mehrmals umgeschmolzenes Wachs verliert seinen Geruch und
Geschmack. Wachs löst sich nicht im kalten Wasser. Es löst
sich nur teilweise im Alkohol. Eine Lösung ist nur im
Benzin, in Äther, Chloroform und Benzol möglich.
Beispielsweise enthalten geschmolzene Waben in ihrem
Rückstand (Trester) auch nach dem Pressen noch 10-20%
Wachs. Bei der kommerziellen Verwertung wird dieses noch
mit Lösungsmitteln dem Trester entzogen.
Wachs setzt sich aus Myricin, Cerin, Paraffine,
Mellissinsäure, Ester und Wachsalkohole zusammen. Der
Schmelzpunkt liegt bei 64-65ø C.
Das Wachs spielte immer in Form von Kerzen eine große
Rolle. Die Sumerer gossen Wachs auf Schreibtafeln,
wodurch diese mehrfach beschreibbar wurden. Auch beim
Bronzeguß wurde es eingesetzt. Das Wachs hatte früher eine
große Bedeutung.
Der größte Anteil wird in der Bienenwirtschaft selbst
eingesetzt. In den wachsverarbeitenden Wirtschaftszweigen
stehen ganz eindeutig Kunstwachse im Vordergrund.
Vielfach wird Bienenwachs heute noch in der kosmetischen
Industrie für Cremes, Salben, Pasten und Lippenstiften
eingesetzt. Bei den Polierwachsen, Skiwachsen,
Imprägniermitteln, Lacken und Wachsfarben wird Bienenwachs
kaum noch eingesetzt. Zum Gießen von Modellformen wird es
noch benutzt. Kunstwachse sind billiger. Wenn man
bedenkt, daß die Bienen für die Produktion von einem kg
Wachs ca. 6 kg Honig verbrauchen, ist eine Diskussion über
die Wirtschaftlichkeit überflüssig.
Bienenwachs wird auch in der Batikkunst angewandt. Wie
schon erwähnt, kann man aus Bienenwachs Kerzen gießen und
ziehen. Mit dem Wachs kann man auch Kerzen verzieren.
Bereits in der Antike gab es die Wachsmalerei an
Tempelfassaden und Säulen. Auch die Trajanssäule in Rom
zeigt Wachsreste. In Pompeji wurden die Wandmalereien mit
Wachs überzogen.
Mit der Ausbreitung des Christentums stieg der
Bienenwachsbedarf. So verbrauchten Klöster und Kirchen
große Wachsmengen. Im 13. bis 16. Jahrhundert bestand die
religiöse Pflicht, Wachskerzen zur Ehre der Heiligen zu
spenden. Hier erreichte der Bedarf an Bienenwachs seinen
Höhepunkt. Kirchen und Klöster waren zu dieser Zeit auch
große Förderer der Bienenhaltung. Besondere Zeugen der
Wachsopfer sind die Votivkerzen. Die älteste befindet sich
in der Wallfahrtskirche Bettbrunn bei Ingoldstadt. Dort
sind ca. 150 Kerzen aufbewahrt, darunter die ältesten
Kerzen Europas. Die größte Sammlung solcher Votivkerzen
ist im Kloster Andechs in Oberbayern in einer Kerzenkammer
zu sehen.
Gerade aus dieser Zeit gibt es in den verschiedenen Museen
noch viele Arten von Wachspressen wie Knüppel-, Hebel- und
Spindelwachspressen. Auch für den Schmelzvorgang haben
sich die Menschen eine Vielzahl von Geräten einfallen
lassen.
Hier noch ein Gedicht von Fritz Leisinger
Die Wachskerze
Wachskerze, selbst gegossen
die meinen Winter hell:
in dich ist eingeflossen
die ganze Sommerwelt!
Ich schließe lind die Augen.
Der Docht die Säfte zieht:
es summt in seinem Saugen
der Bienen Flügellied.
Willkommner Traum! Ich liege
in Blumen.....blau, gelb, rot.
Ich dehn mich wohlig, wiege
mich wie in einem Boot.
Erloschen alle Stimmen;
die Mittagswelt wie stumm!
Nur um und um der Immen
einschläferndes Gesumm...
O Traum vom Weitentfernten,
von Sonne, Blühn und Lieb!
Von allen Sommerernten,
was ist noch mein? Was blieb?
Der Honig ward genosen,
zertrümmert das Gewab;
das Wachs ward eingegossen,
die Kerze brennt herab.
Der Fleiß von tausend Flügen
zerschmolz, verging in nichts.
Der Preis von tausend Flügen:
die kleine Spanne Lichts!
Ich habe übrigens gestern wieder Mittelwände gegossen, um
für das Frühjahr gerüstet zu sein. Aber heute hat es hier
über Nacht geschneit und seit einigen Tagen sind die
Temperaturen wieder unter 10 Grad. Futter haben meine
Bienen noch reichlich. Ich kontrolliere dieses immer mit
einer Federwaage, die ich auch bei dem Auffüttern benutze.
Allen Lesern wünsche ich ein schönes Osterfest.
Mit den besten Grüßen von Günter DL4AI
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