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DK3CZ  > IMKER    31.03.97 11:51l 118 Lines 6136 Bytes #999 (999) @ DL
BID : V37DB0MAK008
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Subj: April
Path: DB0MAK
Sent: 970331/0850z @:DB0MAK.#BAY.DEU.EU [Marktredwitz, JO60BA] BCM1.38j
From: DK3CZ @ DB0MAK.#BAY.DEU.EU  (Walter)
To  : IMKER @ DL
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April April, der weiß nicht was er will!
 
Hallo Imker-u. Funkfreunde.
 
Wetter und Bauernregeln über den April gibt es mehr als genug!
Leider zieht der Monat April oftmals noch sämtliche zur Verfügung 
stehenden Register. Alles ist drin, vom schönsten Sonnenschein 
bis zum Schneefall und die Temperaturen verhalten sich oft 
entsprechend.
In diesem Jahr konnten unsere Bienen schon um die Monatsmitte 
einiges an Pollen und Futter eintragen, leider war die Zeit viel 
zu kurz. Die Völker dürften einen verstärkten Bruteinschlag 
vorgenommen haben und hoffentlich ist das Futter nicht zu knapp. 
Hungernde Völker zu dieser Jahreszeit kann man fast nicht mehr 
gutmachen. Die Völker benötigen jetzt Wasser und bei so kalter 
Witterung ist jeder Ausflug ein Risiko, wenn längere Wege 
zurückgelegt werden müßen, deshalb sollte man jetzt in der Nähe 
eine Tränke aufstellen. Eine Reizfütterung zu dieser Jahreszeit 
ist deshalb mit großen Risiken verbunden!
Wie schon in früheren Berichten erwähnt, hilft jetzt eine Folie 
als Abdeckung auf den Waben, Wasser in geringen Mengen zu 
bekommen (Schwitzwasserbildung durch Wärme).
Wenn dann die wärmeren Tage, so gegen mitte April, kommen kann 
man ev. schon darangehen eine Futterwabe aufzureißen und an das 
Brutnest heranhängen, ev. auch schon eine ausgebaute Leerwabe 
direkt an das Brutnest hängen, um der Königin die Gelegenheit zur 
Eiablage zu geben. Das hängt jedoch von der Witterung ab, denn 
das kann für das Volk schon einen harten Eingriff bedeuten!
Vor allem gehört jetzt eine trockene, saubere Beute zu den 
Grundvoraussetzungen  einer erfolgreichen Bienenzucht.
 
  Kein Imker sitzt gerne in einer kalten und feuchten Wohnung!
 
Bei anhaltender kalten Witterung hilft oftmals ein mit Wasser 
gefülltes Glas auf dem Spundloch oder eine Futtertasche mit 
Wasser in der Beute, um den Bienen den Weg nach draußen zu 
ersparen. Vor allem bei anhaltender Kälte Ende April Anfang Mai 
tritt dann oftmals die sogenannte "Maikrankheit" auf. Daran ist 
einzig und allein ein Abriss der Wasserversorgung schuld, wenn 
unsere Bienen bei großem Bruteinschlag nicht genügend Wasser zur 
Futtersaft-Erzeugung eintragen können, kommt es dann zur 
Verstopfung.
Hier hilft dann nur Honigwasser. Die Bienen nehmen dadurch 
entsprechend Flüßigkeit auf. 
 
Wärmeverluste sollte man tunlichst vermeiden, ich gebe meinen 
Völker ab Februar immer einen dicken Pack Decken auf die Beuten. 
Meine Bienen sind alle im Freiständer untergebracht.
Auf keinen Fall sollte man die Beuten ohne Grund öffnen!!!
Ein wachsendes Brutnest verlangt natürlich stetigen Futterfluß. 
Der Eiweißvorrat in Form von Pollen kann bei schlechter Witterung 
leicht unterbrochen werden, hier muß man dann ev. mit Eiweiß-
futterteig nachhelfen.(Nektapoll, neopoll). Natürlich ist eine 
gut gefüllte Pollenwabe aus dem Wabenschrank die bessere Lösung.
Wer im Herbst dafür gesorgt hat, daß genügend junge Arbeitsbienen 
geschlüpft sind braucht jetzt keine Sorgen haben. Diese werden 
jetzt für den schnellen Start in die Frühlingstracht gebraucht, 
vierzig Tage Regel, denn nur mit starken Völkern kann man eine 
gute Ernte einbringen. Deshalb sollte man auch schwache Völker 
mit starken Völker vereinigen, NICHT SCHWACHE MIT SCHWACHEN!
Für starke und gesunde Völker braucht man auch vitale Königinen 
die nicht älter als zwei Jahr sein sollten. Hier gibt es bestimmt 
Einwände, daß eine Königin bis zu 5 Jahren alt werden kann. 
KÖNNEN schon, aber die ist nicht mehr leistungsfähig und dient 
höchstens nur noch zur Nachzucht, wenn es eine überdruch-
schnittliche, leistungsstarke Königin ist!!! 
Man sollt sich aber nicht nur durch überdruchschnittliche Honig-
erträge allein beeindrucken lassen, denn diese hängen auch von 
verschiedenen Kriterien ab und nicht jedes Volk fliegt zur 
gleichen Trachtquelle.
Am besten dran ist der Imker, der weit und breit keine 
unmittelbaren Imkerkollegen hat. Hier kann eine gute 
leistungsfähige Biene auch aus der Standbegattung herangezogen 
werden. Dazu sind natürlich auch leistungsfähige Drohnen 
notwendig. Hier sollte eine gewisse Selektierung stattfinden.
Viele Imker schneiden ja, wegen der Varrobekämpfung rigoros den 
Drohnenbau aus. Ein gesundes Volk braucht aber Drohnen.
Eine Variante, die zuchtwürdigen Drohnen zu vermehren kann man 
durch bestiftete Drohnenwaben, oder auch auslaufende Drohnenbrut 
aus den guten Leistungsvölkern, in die anderen Völker zuhängen 
und erhält somit die gewünschte Auswahl.
Wer nun selbst nicht züchten kann oder mag kann sich dann 
unbegattete Königinen schicken lassen und Standbegatten. Damit 
erhält man oft viel bessere Königinen als sich Reinzucht, 
Inselbegattete oder Handbesamte Königinen, für teueres Geld zu 
kaufen. Jedenfalls habe ich diese Erfahrung gemacht.
 
In der Mitte oder Ende April, wenn die Völker auseinander gehen, 
erweitern wir die Völker nicht durch Einhängen von Mittelwänden 
in das Brutnest, sondern hängen erst eine ausgebaute Wabe und 
dann eine Mittelwand an die Brut. Das Brutnest verträgt zu dieser 
Zeit solche Eingriffe noch nicht. Bei einem Temperatursturz 
könnte das Volk nicht die nötige Wärme erzeugen und die Brut 
stirbt dann ab.
Wenn dann ein zweiter Aufsatz nötig wird sollte man das Brutnest 
nicht unbedingt teilen sondern vielmehr ausgebaute Waben und 
Mittelwände einhängen und die Königin hochbrüten lassen. Einige 
Imker geben diesen Brutraum auch unter das Volk. Das hängt aber 
von vielen Umständen ab, die ich hier nicht weiter erörtern 
möchte, muß jeder ev. selbst ausprobieren.
Auf jeden Fall bedarf der Wabenbau einer steten Erneuerung, 
dunkle und alte Waben haben im Brutraum nichts verloren. Helle 
Waben bergen weniger Krankheitskeime als solche, die schon Jahre 
im Brutnest hängen, mit zahlreichen Zellhäuten  von geschlüpften 
Maden bestückt sind.
Ein Sonnenwachsschmelzer sollte deshalb auf keinem Bienenstand 
fehlen. Dunkle Waben werden darin wieder eingeschmolzen und man 
erhält so wieder brauchfähiges Wachs zur Weiterverarbeitung.
 
So nun wünsche ich uns ein gutes Frühjahr, eine gute 
Völkerentwicklung und dann noch volle Honigtöpfe.
 
Walter, DK3CZ
 
   
 
   
 


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