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DK3CZ  > IMKER    03.03.97 14:46l 102 Lines 5326 Bytes #999 (999) @ DL
BID : 337DB0MAK007
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Subj: Der März!
Path: DB0MAK
Sent: 970303/1244z @:DB0MAK.#BAY.DEU.EU [Marktredwitz, JO60BA] BCM1.38j
From: DK3CZ @ DB0MAK.#BAY.DEU.EU  (Walter)
To  : IMKER @ DL
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Hallo Imker-u. Funkfreunde.
 
Der März!
 
Früher als Kinder (vor ca 50 Jahren) sangen wir; Der März ist 
gekommen die Bäume schlagen aus.
Nun die Bäume schlagen noch genauso aus aber unsere Umwelt ist 
eine "Andere" geworden. Auf vielen Märkten und Geschäften werden 
wieder in rauhen Mengen Palmkätzchen (Weidenkätzchen) angeboten.
Mir als Imker dreht sich da der Magen um. Hiermit wird unseren 
Bienen die erste wichtigste Nahrungsquelle weggenommen. Ich 
schneide auch diese Zweige ab aber, und das ist ganz wichtig, 
pflanze jedes Jahr diese Kätzchen wieder im Garten ein.
Nach dem Abblühen belasse ich sie in brakigem Wasser stehen bis 
sich kleine Wurzeln an den Enden zeigen. Danach gebe ich sie in 
eine Blumenerde oder ich pflanze sie gleich in den Garten, 
zusammen mit guter Humuserde, wieder ein. So kann man sehr viel 
für unsere Bienen tun!
 
Nun weiter zu unseren Bienen.
Jetzt ist die Jahreszeit gekommen wo es dem Imker schon in den 
Finger kribbelt mal nach den Bienen zu sehen.
Das sollten wir aber nur tun wenn ev. Not bei den Bienen ist.
Wenn wir im Herbst reichlich Futter gegeben haben und nach 
Abhören der Völker mit dem Plastikschlauch nichts auffälliges zu 
beobachten ist, sollten wir den Bienen nur beim Eintragen von 
Pollen zusehen. Überall in Deutschland dürfte wohl in diesen 
Tagen schon die Sonne mehrere Tage Temperaturen zwischen 13-17 
Grad Lufttemperaturen beschert haben.
Gelegentlich wird vielleicht ein kleiner Eingriff nötig sein.  
Wenn z.bsp. ein Volk, im vergleich zu den anderen, schwach fliegt 
könnte es sein, daß der Brutraum zu groß ist und die Wärme nicht 
ausreichend erzeugt wird. Hier sollte man ev. einen zweiten 
Brutraum abnehmen, somit können mehr Bienen auf Pollensuche 
ausschärmen.
Es kommt schon vor, daß im Herbst ein Volk noch ausgeraubt wird, 
ist bei mir geschehen, oder eine Königin den Winter nicht 
überlebt, hier hilft nur eine Vereinigung mit einem Nachbarvolk.
Jetzt ist auch Gelegenheit die Bodenbretter zu wechseln. Das kann 
fast lautlos geschehen, ohne daß große Unruhe in die Völker 
gebracht wird und gleichzeitig gibt das Bodenbrett Aufschluß auf 
das Bienenvolk. Sollte sich größerer Totenfall ereignet haben 
sollte man das nicht unbeachtet lassen.
Auch noch vorhandene Varrogitter geben oftmals einen Hinweis auf 
das Volk. Bei starkem Varrobefall sollte jetzt noch ein 
eventuelle Behandlung ins Auge gefaßt werden. Ein solches Volk 
bringt nämlich denkbar schlechte Entwickungsvoraussetzungen mit.
Stellt man nun dabei auch fest, daß ein Volk Futternot hat ist 
schnelle Hilfe notwendig. Sofern es sich um ein gesundes Volk 
handelt geben wir eine Futterwabe an den Bienensitz, bitte nicht 
direkt in die Mitte wo die Brut ist. Die Wabe sollte, wenn 
möglich ein wenig in der Sonne angewärmt werden. Das Volk hat 
jetzt sowieso schon alle Mühe die 34-36 Grad zu erzeugen, jetzt 
schiebt man da ein eiskalte Wabe dazwischen, welch ein Schock muß 
dann durch das Volk gehen!
Ein krankes Volk, das vielleicht schon die Waben verkotet hat, 
sollte schnellstens abgeschwefelt und die Beuten gut gereinigt 
werden. Es wäre falsch so ein krankes Volk mit einem gesunden zu 
vereinigen, das gesunde wird mit Sicherheit auch angesteckt. 
 
Für den Anfänger ist das alles ein bißchen verwirrend. Wir sagen, 
man soll die Völker nicht unnötig öffnen. Einfach das Flugloch 
beobachten ist das oberste Gebot! Wenn die Bienen mit dicken 
Blütenstaubpaketen heimkommen und am Flugloch von den 
Wächterinnen kontrolliert werden, ist eigentlich alles in 
Ordnung. Kommen die Bienen ohne Pollen nach Hause, ist das 
Flugloch verkotet und laufen sie planlos umher, so ist der 
Eingriff unumgänglich. Der Schaden durch öffnen der Beuten ist 
dann das kleinere Übel!
Schwach überwinterte, gesunde Völker, sollten nicht mit einem 
Schwachen Volk vereinigt werden. Zweimal schwach ergibt nicht 
einmal stark, hi. Nein solche Völker gibt man einem starken Volk 
dazu. Natürlich muß man vorher die Königin herausfangen, sonst 
kann es passieren daß dann keine Königin mehr vorhanden ist.
 
Die Reizfütterung ist ein sehr umstrittenes Thema unter der 
Imkerschaft. Dazu sei folgendes gesagt. Legt ein Imker großen 
Wert auf die Frühjahrstracht, weil eine andere Tracht nicht zu 
erwarten hat, sollte man die Vierzig-Tage-Regelung beachten.
Diese Zeit braucht eine Biene bis sie vom Ei zur Sammelbiene 
geworden ist. Entschließt man sich zu so einer Maßnahme ist es 
wichtig, daß genügend Futter, Wasser und Pollen vorhanden ist.
Schlechtwetterperioden müßen natürlich mit eingerechnet werden.
Was vor allem auch wichtig ist Wärme, Wärme und nochmals Wärme!
Bei mir bekommen die Völker in meinen Wanderständen jetzt eine 
ordentliche Portion Decken verpaßt.
Jetzt sollte man aber vor allem dafür sorgen, daß die Bienen 
nicht zu weit zum Wasser fliegen müßen!!!!
Hier eignet sich auch eine Plastikfolie direkt auf den Waben, 
hier wird gerne sich gebildetes Schwitzwasser abgenommen.
 
Wichtig ist vor allem, daß unsere Bienen ein gutes 
Pflanzenangebot vorfinden und dazu gehört nun mal in erster Linie 
die Weide. Sorgen Sie dafür daß hier, durch immerwährende 
Nachplanzung, genügend Nahrung für die Bienen vorhanden ist!
 
So nun wünsche ich uns eine gute Frühjahrsentwicklung damit sich 
die Honigtöpfe wieder ausreichend füllen lassen.
 
73 de Walter, DK3CZ
 
 


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