| |
DL4AI > IMKER 31.01.97 17:57l 158 Lines 6125 Bytes #999 (999) @ DL
BID : 311DB0GZX4
Read: DK8FI DK3CZ DG3GJA DG7RBM DL9ABL DG6SBG DL4AI DF3EH DG4BUL DG1RH DH2LA
Read: GUEST
Subj: Eugen Roth
Path: DB0MAK<DB0SON<DB0SIF<DB0GV<DB0EAM<:DB0GZX
Sent: 970131/1548z @::DB0GZX.#NDS.DEU.EU [Alfeld/L JO41WX PR-MFS 2.0 OP:DD3FS]
From : DL4AI @ DB0GZX.#NDS.DEU.EU (Günter)
To : IMKER @ DL
Hallo Imkerkollegen!
Wir wollen nicht nur arbeiten wie die Bienen, sondern uns auch an den Bienen
und alles was damit verbunden ist, erfreuen.
Kein Tier, einschließlich des bekannten
gewaltigen, seltnen Elefanten,
worüber so viel wär' erschienen,
wie über unsre kleinen Bienen.
Hör'n wir vom alten Hesiode
doch schon, daß Bienezucht in Mode.
Plutarch und Aristoteles
beschreiben sie ganz sinngemäß.
Es warfen sich mit aller Wucht
die Römer auf die Bienenzucht-
die Konku-Biene nämlich bloß
wird, umgekehrt, durch Unzucht groß-
es schrieb der treffliche Vergil
auch über Bienen ziemlich viel.
Die Kirche brauchte Wachs zu Kerzen,
ihr lag die Biene sehr am Herzen.
Der große Karl, so schreibt die Chronik,
erfand das Wort:>>Eßt deutschen Honig!<<
Vor Bienenraub die stärksten Riegel
schob damals schon der Sachsenspiegel.
Auch Maeterlinck erwähn ich nur
und Busch mit seinem >>Schnurrdiburr<<.
Jedoch, wie gut ein Dichtersmann
von einer Biene leben kann,
hat uns bewiesen klipp und klar
der süße Bonsel's Waldemar.
Nichts bei den Bienen gilt der Mann:
Das Weibchen hat die Hosen an -
soferne, wissenschaftlich scharf,
man es noch Weibchen nennen darf.
Nicht liebt man sonst die Hosenvollen,
doch hier, wo mit den Blütenpollen,
die sie sich an das Bein geschmiert,
sacht, daß kein Stäubchen sie verliert,
die Biene hosenvoll fliegt heim,
schätzt man den Stoff zu süßem Seim.
Der Honig wird, das ist verbürgt,
aus einer Blase ausgewürgt.
das Wachs, genauso nötig auch,
schwitzt unser Bienlein aus dem Bauch.
doch bleibt noch eins, was das Insekt
dabei nicht wissentlich bezweckt:
daß es bei seinem Taumeltanzen
befruchtet Obst und and're Pflanzen.
Streng ist die Arbeit eingeteilt:
Die eine nur um Honig eilt,
die and're sammelt bloß die Pollen.
Doch darf sie auf den blumenvollen
Gefilden naschen nach Belieben?
Nein! Es ist alles vorgeschrieben:
Vergißmeinnicht kommt heute dran
und morgen dann der Löwenzahn.
Auf Grund genauester Erfahrung
entsteht dadurch die Einheitsnahrung.
Ganz wurst, ob's jeder angenehm:
es setzt sich durch das Zwangsystem!
Nur scheinbar ist's ein Sonnenleben:
Die Biene führt ein Nonnenleben!
Und, ach, zu schwerer Arbeit nur
darf sie heraus in die Natur.
Sonst, in der Zellen Düsterkeit,
macht nichts sie wie Fabrikarbeit:
Auf Millimeter geht's genau
beim unablässigen Wabenbau.
Am Rande nur, als Tönnchen, liegen
die sogenannten Weiselwiegen,
in ihnen werden, wohlbehütet,
die Königinnen ausgebrütet.
Ausschließlich durch die Königin
Kriegt ja der Bienenstock erst Sinn.
Sie sucht sich, kaum gelangt zum Thron,
Zum Prinzgemahle einen Drohn,
den Mann, der diese Wahl begrüßt,
wenn er sie mit dem Tod auch büßt.
Und sterbend ruft er aus:>>O Kön-
igin, das Leben ist doch schön!<<
Erst wenn die Bienen etwas älter
und wenn's draußen gerade kälter,
dann dürfen sie die Welt durchstreifen;
schwer ist für den Menschen zu begreifen
ihr Zeit- und Ortssinn - ohne Uhr
Ziehn sie dahin durch die Natur.
Sie merken's etwa am Gewächse:
>>Jetzt ist es ungefähr halb sechse!<<
Sie können, nur durch Tanzen, sprechen:
>>Die Weiden blühn schon an den Bächen!<<
Auch wissen stets sie, wo sie wohnen.
Nicht vor das Flugloch gehn die Drohnen. (Er wußte doch nicht alles) Es saufen diesen Bonzen-Lumpen
nur immer Met aus großen Humpen.
Verschmähen selbst zur Zeit der Not
das karge trockne Bienenbrot -
Mit Honig wollen sie's geschmiert!
Bis die Geduld das Volk verliert
und in der wilden Drohnenschlacht
die ganze Bande niedermacht.
Die Arbeitsbienen selbst, die vielen,
die sterben leider in den Sielen -
und zwar schon sechs bis sieben Wochen,
nachdem sie aus dem Ei gekrochen.
Was überwintert, bringt die Ruhr
oft um, bei schlechter Müllabfuhr.-
Alljährlich, daß mans's nicht vergesse,
im Lenz kommt in der Bienenpresse
der Leitaufsatz: >>Volk ohne Raum.<<
Dann hält die Biene nichts im Zaum,
ihr Seelenleben wird verworrn,
die neue Königing wird geborn,
die Alte fliegt von ihrem Thron,
ein ganzer Schwarm mit ihr davon -
indes die Jugend - das entschuldigt -
sofort der neuen Herrin huldigt.
Und sind's gar mehr, dann geht es kurz:
Mord gibt es und Regierungssturz,
wie ihr's im Stuart-Drama seht:
Maria und Elisabeth.
Wenn Du den Schwarm, der da erbraust,
vom Menschenstandpunkt aus beschaust,
so ist es höchst verwunderlich -
doch schwärmt die Biene nicht für Dich;
der liebe Gott von seinem Thron
sieht Krieg und Revolution,
drin wir uns quälen, wüst und arm,
wohl auch nur so als Bienenschwarm,
und kehrt als Imker, mit dem Besen
zusammen uns verlorne Wesen
und sorgt, ein Meister seines Fachs,
daß wieder Honig wird und Wachs,
Raucht seine Pfeife mit Gebrumm:
>>Ein fleißiges Völklein, aber dumm!<<
Und wiederrum, mit höherm Blick,
schaut dann das ewige Weltgeschick
auf Gott als einen braven Mann,
der auch nicht, wie er möchte, kann.
Drum, wer geboren ist als Biene,
der lebe still und diene, diene!
Ein Bienenvolk, es wehr' sich nicht,
denn es muß sterben, wenn es sticht!
Eugen Roth
Read previous mail | Read next mail
| |