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DF7TZ > ESPERANT 18.09.95 18:33l 147 Lines 9628 Bytes #-11261 (0) @ DL
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Subj: Notizen aus Kaunas
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de DF7TZ @ DB0MWS.#BAY.DEU.EU (Karl-Heinz)
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Mi ne povis partumi la UK-on en Tampereo, sed tuj poste mi anstatau'is ghin
al Ekumena Esperanto Kongreso en Kaunas Litovujo. Jen mia raporto en la
Germana:
Notizen aus Kaunas
Mitglieder der Aalener Esperanto-Gruppe beim 11. Ökumenischen
Esperanto-Kongreß
Mitglieder der Esperanto-Gruppe Aalen und Pfarrer Adolf Burkhard,
Direktor der Deutschen Esperanto-Bibliothek Aalen, kamen in dieser Woche tief
beeindruckt von einem Erlebnis besonderer Art aus Kaunas in Litauen zurück.
Dort ging der 11. Ökumenische Esperanto-Kongreß (31. Juli - 07. August 1995)
mit der Verabschiedung von vier Entschließungen zu Ende. Dieser Kongreß wurde
von den beiden konfessionellen Verbänden IKUE (Internationale Katholische
Esperanto-Vereinigung) und KELI (Christlicher Esperanto-Bund) gemeinsam
veranstaltet und benutzte selbstverständlich die internationale und neutrale
Sprache Esperanto als Kongreß-Sprache. Eine Woche lang befaßten sich Christen
der verschiedensten Kirchen aus Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Polen,
Ungarn, Dänemark, England und Frankreich, aber auch aus Deutschland, Rußland
und Korea mit dem konziliaren Prozeß der Kirchen und der Vorbereitung ihres
Beitrages zur "Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung" für Frieden,
Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, die "1997 in Graz" stattfinden wird.
Baden-Württemberger waren maßgeblich an der Leitung der Tagung beteiligt,
Pfarrer Burkhardt aus Weilheim/Teck hatte zusammen mit Pfarrer Bernhard
Eichkorn aus VS-Villingen die Gesamtleitung, Apotheker Karl Heinz Schaeffer aus
Aalen organisierte das Kongreßbüro und führte die Kasse. Die Predigt beim
Eröffnungsgottesdienst in der Evang.-Luth. Dreieinigkeitskirche in Kaunas hielt
der holländische Pfarrer Jacques Tuinder, den Schlußgottesdienst mit der
ungekürzten Lima-Liturgie leitete Diakon Erikas Leiconas aus Kaunas mit den
oben Genannten und dem Franzosen Phillipe Cousson. Alle Gottesdienste
einschließlich der Lieder (darunter zwei von Kurt Rommel) wurden in Esperanto
abgehalten und ergaben erst dadurch den echten ökumenisch-feierlichen Rahmen
dieser einzigartigen Begegnung von Christen aller Schattierungen.
Nicht von ungefähr wurde der jetzige Kongreß in Kaunas abgehalten, war doch
der gesamte Grundbesitz der evangelischen Gemeinde unter der sowjetischen
Herrschaft beschlagnahmt und dient bis heute Teilen der Universität von Vilnius,
die in den Gebäuden ihr Kunstinstitut untergebracht hat. Die Kirche selbst
wurde nach energischen Eingaben und mit entscheidender Unterstützung durch
eine vom 8. Ökumenischen Esperanto-Kongreß in Ungarn gefaßten Resolution an
die Gemeinde zurückgegeben, die anderen Gebäude jedoch nicht. Der 11. Kongreß
erneuerte deshalb vor Ort mit seiner jüngsten Eingabe die dringende Bitte an die
Stadtverwaltung von Kaunas und die staatlichen Stellen, für die vollständige
Besitzrückführung die Wege zu ebnen. Die Universität von Vilnius verweist
derzeit auf die von ihr in der langen Zeit der Beschlagnahme getätigten
Veränderungen und Investitionen und weigert sich vehement, weiteren
Wiedergutmachungen zuzustimmen. Selbst Orgel, Hochaltar und Kirchenbänke
gehören nach wie vor der Universität, da sie deren Restaurierung vorgenommen
habe.
Eine zweite Entschließung richtet sich an den französischen Staatspräsidenten
Chirac wegen der geplanten Atombombenversuche, eine dritte an die räumlich
und durch ihre Mitglieder in den Balkankonflikt verwickelten Kirchen mit dem
Appell, alles zu tun, um den Zerstörungen Einhalt zu gebieten.
Am ausführlichsten fiel die vierte Entschließung aus, die zugleich das Thema der
ganzen Woche zusammenfaßt: Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung
im Blick auf die von den Kirchen Europas geplante Nachfolgekonferenz des
sogenannten Konziliaren Prozesses. Zu diesem Zweck wurde jede
Einzelveranstaltung der ganzen Woche mit einem Abschnitt aus dem
Schlußdokument der Basler Versammlung von 1989 in einer fortlaufenden Lesung
("Lectio continua", wie in den Klöstern) eröffnet.
Pfarrer Bernhard Eichkorn von der katholischen Kirche hatte dazu aus dem
Dokument alle Stellen herausgehoben, in denen von Gerechtigkeit in kultureller
Hinsicht die Rede ist. Dabei fiel auf, daß die sprachliche Gerechtigkeit und
Gleichberechtigung nirgends auch nur erwähnt - wohl weil man allenthalben die
übliche Praxis für naturgegeben und unabwendbar hält. Daß man das Wetter
nicht in die Auflistung einbezieht, leuchtet ein - es ist ja naturgegeben. Genau
so fatalistisch nimmt man weiterhin die kulturell-sprachliche Ungerechtigkeit als
naturgegeben hin; die einen können eben ihre Muttersprache mit allen damit
verbundenen Vorteilen einsetzen, die meisten anderen müssen Sprachen
verwenden, die sie oft nur unvollkommen beherrschen. Die Praxis der
Ökumenischen Esperanto-Kongresse zeigt jedoch ein anderes Modell - sprachliche
Gleichberechtigung, bei der sich alle Beteiligten von ihrem Sockel herunter auf
eine gemeinsame Plattform zu bewegen und freiwillig auf die von beiden Seiten
her gebaute Brücke begeben. Dieses heute schon funktionierende Modell scheint
so revolutionär, ja utopisch zu sein, daß es leider nur zu selten ernsthaft auch
nur erwogen wird. Die Christen, die mit diesem Modell innerhalb ihrer Verbände
IKUE und KELI einzeln und gemeinsam umfassende Erfahrungen gesammelt haben,
drängen mit Nachdruck darauf, daß alle, denen es ernst ist mit der im Basler
Dokument geforderten kulturellen Gerechtigkeit, diese Erfahrungen nicht länger
unbeachtet lassen. "Die Phase des Experimentierens ist längst vorbei, die^1
Ergebnisse sind rundherum positiv.
Am Rande des Kongreß hielt Pfarrer Burkhardt an beiden Sonntagen in
Vertretung des Ortspfarrers die Predigt im Gottesdienst der Ortsgemeinde nach
der auch in Litauen verwendeten deutschen Perikopenordnung. Satz für Satz
wurden die Predigten von Erikas Leiconas aus dem Esperanto ins Litauische
übertragen. Am Schluß gaben sich mehrere Gottesdienstbesucher als "Wolfskinder"
zu erkennen. Leute aus Gumbinnen, Nemmersdorf, Königsberg oder anderen Orten
in Ostpreußen, die am Ende des Krieges ihre Eltern verloren hatten und als
Kinder von litauischen Familien aufgenommen wurden; meist tragen sie einen
litauischen Namen - doch wissen sie, daß sie Deutsche sind. Jonas Petreitis
weiß, daß er Hans Joachim Petereit ist. Es waren aus ihrem Munde erschütternde
Schicksale zu hören, besonders die deutschen Kongreßteilnehmer können nicht
verstehen, daß unser Staat nicht in der Lage sein soll, diesen noch überlebenden
200-250 Personen ihr Deutschtum anzuerkennen. Eine spontane Einladung zum
Bunten Abend nahmen sie an und trugen mit deutschen Volksliedern zum
Programm bei.
Für die katholischen Teilnehmer begann jeder Tag um 7 Uhr mit einer Messe in
der historischen Vytautas-Kirche, meist in Konzelebration von Priestern
verschiedener Länder auf Esperanto gehalten. Wenige Wochen vorher war vom
Vatikan das amtliche Meßbuch in Esperanto formell der Öffentlichkeit übergeben
worden. Der Vorsitzende der Europäischen Bischofskonferenzen, der Prager
Erzbischof Kardinal Vlk, hatte in Olmütz (Olomouc) kurz zuvor vor 150
Teilnehmern des Katholischen Esperanto-Kongresses eine Messe auf Esperanto
gelesen.
Auf dem Weg zwischen den Unterkünften und dem Tagungsort kam man täglich
mehrmals am Esperanto-Haus in der Zamenhof-Straße vorbei, wo der litauische
Esperanto-Verband sein Domizil im ehemaligen Haus des Schwiegervaters von Dr.
Zamenhof hat. Das Haus ist unverändert erhalten und beherbergt neben den
Büros des Esperanto-Verbandes die Redaktion der litauischen Esperanto-Zeitung
und die litauische Esperanto-Bibliothek mit ca. 3000 Titeln. Die Mitarbeiter der
Deutschen Esperanto-Bibliothek in Aalen konnten sich diese Bibliothek
anschauen und den dortigen Mitarbeitern wertvolle Ratschläge geben. Im
Gegenzug konnten die Aalener eine wertvolle Sammlung von ehemals illegalen
Esperanto-Zeitungen in der Sowjet-Union bewundern, von denen eine sehr
komplette Sammlung dort zur Verfügung steht.
Wenn man diese intensive Kongreßwoche zusammen faßt, bleibt festzustellen, daß
alle Teilnehmer gute Arbeit für Graz 1997 geleistet haben. Esperanto hat seinen
Beitrag in mehrfacher Hinsicht dazu geleistet. Keine Zeit wurde vertan im Warten
auf Übersetzungen, jeder Teilnehmer konnte sich von allen anderen verstanden
wissen und erfuhr aus eigenem Erleben, was, international gesehen,
Gleichberechtigung ist. Der nächste Ökumenische Esperanto-Kongreß wird 1996 in
Szombathely (Ungarn) sein. Das nächste größere Esperanto-Treffen ist vom
13.-15. Oktober das Esperanto-Seminar auf Burg Niederalfingen im Kochertal.
Mi volas atentigi, ke 1997 en urbo Graz/Au'strujo estas tial granda shanco por
la Esperantistaro, char ni chiam ja serchas kunlaborantojn al nia afero.
Mi pensas, ke kristanoj estas sufiche granda grupo en la publiko unuflanke,
kaj duaflanke chu ni ne havas bonajn kontribuojn al lingva, kultura kaj
socia(la) justeco?
Salutas vin chiujn Karl-Henriko el urbo Aalen.
P.S.: Al Achim, eksa DG0LJS, DC8AS mi estas dankema, char li plendis pro
malmulte da kontribuoj en la lasta tempo al nia rubriko. Chu neniuj el vi
travivis ion rakonteblan en la ferioj? Nekredeble!!!!
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