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DC1YB  > AX25     31.10.94 12:07l 69 Lines 3759 Bytes #-11657 (0) @ DL
BID : 31A401DB0MWS
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Subj: Jenseits von AX.25
Path: DB0KCP<DB0AAB<DB0MWS
Sent: 941031/0957z @DB0MWS.#BAY.DEU.EU [BBS Muenchen, JN58TE, DL2RBI/DG6MAY]
de DC1YB @ DB0MWS

 
Jenseits von AX.25
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Wir benutzen das AX.25-Protokoll in Packet Radio, weil es gut funktioniert
und wir nichts Besseres haben. Der Erfolg von Packet Radio zeigt, dass AX.25
eine der besten Entwicklungen seit der Erfindung der Morsetelegraphie ist.
Schon heute duerfte es in DL mehr PR-Nutzer als CWisten geben.

Bei unseren kommerziellen Mitbewerbern ist die Zeit seit der Normung des
X.25-Protokolls durch das CCITT aber nicht stehengeblieben. Man hat bemerkt,
dass sich (A)X.25 fuer Funkstrecken mit wechselndem Stoerabstand und Feld-
staerkeschwankungen nicht besonders gut eignet und das auf Kollision beruhende
Zugriffsverfahren fuer eine drastische Verschlechterung der Kanalnutzung bei
steigender Belastung sorgt.

Waehrend durch die DAMA-Erweiterung des AX.25-Protokolls und durch Duplex-
Digipeater im Amateurfunk dem letzten Punkt Rechnung getragen wurde (leider hat
sich DAMA bisher viel zu wenig durchgesetzt, und leider gibt es noch viel zu
viele Simplex-Digis), ist - abgesehen von der katastrophal schlechten Band-
breitennutzung bei 1200 Bd/FM - ein wesentliche Eigenschaft neuerer kommer-
zieller Datenfunkdienste (z.B. RD-LAP und Mobitex) noch nicht in die Amateur-
funktechnik eingeflossen:

Kommerzielle Datenfunknetze arbeiten heute praktisch ausschliesslich mit einer
Kombination von Vorwaerts-Fehlerkorrektur (Hamming- oder Trellis-Code) und
der bei AX.25 ueblichen Paketwiederholung durch Bestaetigung.

Die Vorwaertsfehlerkorrektur baut zusaetzliche Bits in jedes Datenpaket ein,
die es erlauben, beim Auftreten einiger Bitfehler in einem Paket diese zu
korrigieren, ohne das gesamte Paket wiederholen zu muessen. Dadurch wird eine
wesentliche Durchsatz-Verbesserung erzielt. RD-LAP verlaengert durch die
zusaetzlichen Fehlerkorrektur-Bits die Nutzdatenlaenge in etwa um ein Drittel.
Als Vorteil ergibt sich die Moeglichkeit, die Paketlaenge auf bis zu 512 Byte
(Header nicht mitgerechnet) zu erhoehen, ohne dauernde Paketwiederholungen
befuerchten zu muessen, und dadurch den Adressierungs-Overhead prozentual
deutlich zu senken. Das Paket wird zusaetzlich mit einer 32-Bit-CRC-Pruefsumme
gesichert. Fuer den Adressierungs-Header wird eine eigene 16-Bit-CRC gesendet.

Um zu erreichen, dass Stoerungen, die sich ueber mehr als eine Bitlaenge
erstrecken, dennoch korrigierbar sind, wird zusaetzlich die Reihenfolge der
Bits in einem Datenpaket nach einem festgelegten Schema verwuerfelt (RD-LAP).

Die Uebertragung erfolgt dann mit einem 4-Level-FSK-Verfahren (2 Bit je Baud),
so dass bei einem Kanalabstand von nur 12.5 kHz immerhin 9600 Bit/s erreicht
werden, bei 25 kHz Kanalabstand sogar 19200 Bit/s. (Das deutsche Modacom-
Netz arbeitet bei 417/427 MHz mit RD-LAP und 12.5 kHz Kanalabstand.)

An die kommerziellen Datenfunk-Transceiver werden wesentlich hoehere Anfor-
derungen gestellt als an Packet-Radio-Amateurfunkgeraete: So muss (wegen
des Zugriffs-Steuerungs-Verfahrens) der Sender innerhalb von nur etwa
drei Millisekunden in der Lage sein, auf eine empfangene Anforderung zu
antworten. Diese geringe Umschaltzeit wird (bei Semiduplex mit abweichenden
Sende-/Empfangsfrequenzen) entweder durch zwei dauernd mitlaufende VCOs
oder durch Zumischen der ZF-Frequenz im Sender erreicht. Eine Verwendung
von Sprechfunkgeraeten ist deshalb dafuer technisch voellig unmoeglich.

Die vorstehende Beschreibung soll lediglich als Ausblick fuer eine zu-
kuenftige Weiterentwicklung von PR dienen. Sie zeigt aber auch, dass das
im Amateurfunkdienst angewandte AX.25-Verfahren dem Stand der Technik
bereits etwas hinterherhinkt - etwa so wie die Amplitudenmodulation
im Flugfunk (hi). Fasst diesen Beitrag bitte nur als "Blick ueber den
Zaun" auf.
- vy 73 de Herwig, DC1YB @ DB0MWS.#BAY.DEU.EU





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