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DL2LUX > VLF      13.07.97 08:39l 66 Lines 3248 Bytes #-10593 (0) @ DL
BID : D77DB0LPZ07G
Read: DL5MCG DL4DSS GUEST
Subj: 135kHz - ein alter Hut ?!
Path: DB0KCP<DB0AAB<DB0PV<DB0MAK<DB0SON<DB0ERF<DB0LPZ
Sent: 970713/0613z @:DB0LPZ.#SAX.DEU.EU [BayCom-BBS Leipzig JO61EH] bcm1.38j
From: DL2LUX @ DB0LPZ.#SAX.DEU.EU  (Andy)
To  : VLF @ DL
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 135 kHz  - ein alter Hut

Als die Nachricht im Deutschlandrundspruch verbreitet wurde, daß
die Freigabe des VLF-Bereiches bei 135 kHz in DL bevorsteht,
wurden in  mir Erinnerungen wach. Denn ich habe mein erstes
QSO auf 135 kHz gefahren. Ganz offiziell - mit Genehmigung
durch die Deutsche Post, damals die für meinen Wohnort
zuständige hoheitliche Behörde. Nur wußte zu der Zeit noch nicht,
daß man das Herstellen einer Funkverbindung  "QSO fahren"
nennt. Es muß im Jahre 1970 oder 1971 gewesen sein, ich glaube
ich war in der siebten Klasse. Ich bekam zu Weihnachten von
meinen Eltern einen Elektronikbaukasten geschenkt. Er enthielt
drei Transistoren, zwei sogenannte NF- und einen sogenannten HF-
Transistor, verschiedene Widerstände und Kondensatoren, zwei
Sofitten, eine Germanium-Diode (GA100), ein halber Kopfhörer,
einen Drehkondansator 50 bis 500 pf, sowie eine Mittelwellenspule
und eine Langwellenspule. Diese Bauteile waren auf
Kunststoffträgern befestigt und konnten auf eine Montageplatte
gesteckt werden und mit Drähten, die  einfache Klemmen an beiden
Seiten hatten verbunden werden. Damit war es möglich viele
einfache Schaltungen aufzubauen: Multivibratoren, NF-Verstärker,
Detektor, Audion und als Krönung des ganzen einen
Langwellensender. Dieser Langwellensender war ein einfacher
Oszillator der über ein Mikrofon (die hochohmige Hörmuschel des
halben Kopfhörers diente  als Mikrofon) in Amplitudenmodulation
arbeitete. Wobei ein unschöner, lautstärkeabhängiger  Effekt auftrat,
den man, wie  später lernte FM nennt. In der Bauanleitung wurde
man dazu verpflichtet diesen Sender nur mit der Langwellenspule
aufzubauen und den Drehkondensator ganz einzudrehen. Damit war
die Frequenz hinreichend genau festgelegt.  Weiterhin sollte die
ausgekoppelte HF direkt mit einem kurzen Draht an den
Antenneneingang eines Radios angeschlossen werden. Auf der
letzten Seite des Anleitungsheftes war die "Sondergenehmigung der
Deutschen Post" für die Frequenz von 135 kHz abgedruckt.

Mein Freund Bernd, hatte auch so einen Baukasten. Zum
Rundfunkempfang mit unseren Detektoren hatten wir schon bevor
wir diese Baukästen bekamen einen vieradrigen Klingeldraht über
den Hof gespannt (ca. 20 m), von dem jeder eine Ader als Antenne
benutze. Jetzt nahm jeder einen Draht als Sendeantenne und einen
als Empfangsantenne. So konnten wir eine Sprechfunkverbindung
aufbauen. Die Qualität war sehr schlecht, der Langdraht fing eine
Menge Störungen ein, die Signale waren sehr leise und der FM-
Effekt tat sein übriges. Dennoch war es ein unvergeßliches Erlebnis.
Ebenso die Diskussionen (ob man es wagen könne?), die dem
Experiment mit der Mittelwellenspule, welches nur kurz
durchgeführt wurde, vorangingen.

Drei oder vier Jahre später hatte Bernd das Rufzeichen DM4NTG
und ich war DM4MTG.

Die Auswahl der Frequenz für diesen Baukasten war gar nicht so
dumm gewählt. Am unteren ende des Langwellenbereiches eines
jeden Stubenradios, war das Experiment in nahezu jedem Haushalt
durchzuführen und Störungen anderer Funkdienste waren  dort
wohl kaum - und von diesen Senderchen erst recht nicht - zu
erwarten.

Also 135 kHz ! Auf ein Neues!

VY 73  Andy, DL2LUX


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