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DL1YAI > TECHNIK  11.05.12 11:33l 129 Lines 6316 Bytes #999 (30) @ DL
BID : B5MDB0NOS00E
Read: GUEST DK3UZ DK5SG DG4IAK DD3IA OE7FMI
Subj: PC-Tastatur-Experimente
Path: DB0FHN<DB0MRW<DB0ERF<DB0FBB<DB0WAL<DB0NOS
Sent: 120511/0914z @:DB0NOS.#NRW.DEU.EU [Oerlinghausen JO41HW] obcm1.07b3 LT:03
From: DL1YAI @ DB0NOS.#NRW.DEU.EU (Wilfried)
To:   TECHNIK @ DL
Reply-To: DL1YAI @ DB0WAL.#NRW.DEU.EU
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An die experimentierfreudigen unter Euch,

Betreff: PC-Tastatur-Experimente (von DL1YAI)

Hallo allerseits

Diese Mail wurde mit einer nach PC-go Empfehlung (PC-Zeitschrift) in der 
Spülmaschine gewaschenen und nach mehrtägiger Trocknung wieder unfallfrei in
Betrieb genommener PC Tastatur geschrieben.

(Seht Ihr die sauberen Buchstaben ? Hi !

Aber der Reihe nach....

Jeder kennt das....  mit der Zeit fällt einfach immer mehr Staub, 
Hautschuppen, ggf. auch Essensreste usw. in die schmalen Spalte zwischen den 
Tasten; und schafft ein nicht unbedingt hygienisches Ambiente.

Ausschütteln, aussaugen hilft zwar etwas, aber überzeugend ist das nicht.

Sonntag vor 2 Wochen war ich mal gaaaanz mutig und habe die Tastatur - so, 
wie sie ist, mit Kabel - in die Spülmaschine gesteckt, oben in die
Besteckschublade mit den Tasten nach unten, damit das Wasser abläuft und habe 
den ganz normalen 60 °C Spülvorgang mit Spülmittel-Tablette und
anschließender Trocknung ablaufen lassen.

Ergebnis nach ca. einer guten Stunde:
- die Tastatur war nicht geschrumpft oder von der Hitze verbogen
- alle Spuren von Dreck waren weg
- die Tastenbeschriftung war noch voll da  (nicht mal angegriffen)
- die Tastatur sah aus wie neu ! Absolut einheitlich hellgrau, keinerlei 
Schmutzschattierungen mehr

Der PC-go Artikel hatte betont, die Tastatur vor Inbetriebnahme erst 
mindestens drei Tage  mittels Heizkörper zu trocknen, damit die Feuchtigkeit
komplett raus geht.

Nun,. nach einem Tag trocknen hab ich es einfach mal probiert...  und "blöök, 
blöök" der Rechner meckert über Tastaturfehler. Oh Ha !
Sollte die Sache schief gegangen sein ?

Nun, ich hatte ja noch eine funktionsmäßig gleichwertige Tastatur von einem 
anderen Rechner, die habe ich dann genommen und die gewaschene Tastatur
gedanklich schon mal auf die Verlustliste gesetzt.

Anderen Tages habe ich die vermeintlich defekte Tastatur mal 
aufgeschraubt.... und siehe da, es war konstruktionsbedingt überall noch 
Wasser drin.. kein Wunder, dass das nicht geht.

Zur Konstruktion:
nach Lösen einer Unmenge Schrauben auf der Tastatur-Unterseite konnte das 
Oberteil abgenommen werden. Erwartet hatte ich, das die Tasten am Unterteil 
bzw. auf der Tastaturplatine zurück bleiben und das Oberteil nur eine Art 
Haube ist. Die Tastenstößel bilden aber mit dem Oberteil eine Einheit und 
sind beweglich, aber ohne Federkraft (ohne Rückstellfeder) in das Oberteil 
eingebaut.
Auf dem Unterteil sah ich nun eine Folie mit Leiterbahnen und eine Unmenge 
Dinger, die aussahen wie Miniatur Nuckelaufsätze für Babyflaschen aus
rosa-farbenem bzw. transparentem Gummi. Was soll das denn ? ? ?
Die "Miniatur Nuckelaufsätze" (die Assoziation "Pickelhaube", oder zu kurz 
geratene Glocke geht auch)
standen auf der Leiterbahnfolie wie eine Art Glocke und darunter war fast 
überall noch Wasser. Aha !
Also das erst mal trocken legen.
Bei weiterer Betrachtung stellte sich die Leiterbahnfolie als zwei 
übereinander liegende Folien heraus, deren Leiterbahnseiten einander 
zugekehrt sind, ohne Kurzschlüsse zu machen. An den Kreuzungspunkten der 
Leiterbahnen sind Kontaktpunkte angeordnet, deren Positionen mit der 
jeweiligen Lage des zugehörigen Tastenstößels übereinstimmt.
Das bloße übereinander liegen der Kontaktpunkte reicht wohl nicht für einen 
Kontakt, sondern kommt erst durch den Tastendruck zustande (und das offenbar
reversibel).
Zwischen den beiden Folien war auch noch Wasser, zumindest Feuchtigkeit, die 
natürlich weg musste. Durch auseinander klappen der beiden Folien konnte auch 
das richtig trocknen.
Die Position der beiden Folien wird im Tastatur-Unterteil durch Noppen 
fixiert, die durch entsprechende Löcher in den Folien ragen.
An einem Ende waren die Folien mit einer kleinen Platine verbunden auf der 
die drei Leuchtdioden (und das Tastatur Encoder IC) positioniert sind und an 
der das Tastatur-Anschlusskabel aufgelegt ist.

Nach Trocknung all dieser Teile durch einige Tage offen liegen lassen, ging 
es an den Zusammenbau.
Zunächst musste Sinn und Funktion der "Gummi-Pickelhauben" untersucht und 
verstanden werden.
Auf der Innenseite des Tastatur Oberteils ist um jeden Tastenstößel herum ein 
Kragen oder Kunststoffrohrstückchen angeordnet, in das die
"Gummi-Pickelhaube" genau hineinpasst und so in ihrer Position fixiert wird.
Drückt man nun eine Taste, fällt die "Gummi-Pickelhaube" sofort aus ihrer 
Halterung. Hält man die "Gummi-Pickelhauben" am "Glockenrand" fest, so das 
sie nicht heraus fallen kann,  hat die Taste auf einmal wieder Rückstellkraft 
und kehrt nach loslassen wieder in die nicht gedrückte Stellung zurück.
In zusammengebautem Zustand verhindert die direkt auf dem 
Gehäuse-Unterteil-Boden liegende Leiterbahnfolie das Herausfallen.
Die "Gummi-Pickelhauben" arbeiten also wie Springfedern !

Bedingt durch diese Konstruktion geht der Zusammenbau nur so:
- Tastatur-Oberteil mit den Tasten nach unten auf seitliche Stützen legen,
damit die Tasten nicht gedrückt werden
- die 115 "Gummi-Pickelhauben" in die Kunststoffröhrchen einsetzen
- richtige Position aller "Gummi-Pickelhauben"  kontrollieren
- das Tastaturgehäuse-Unterteil mit den Leiterbahnfolien auflegen, auf 
richtigen Sitz kontrollieren, Kabel nicht eingeklemmt ? und verschrauben
- Tatstatur umdrehen und prüfen, ob alle Tasten richtig  funktionieren, also 
wieder Rückstellkraft haben.

Zum Schluss elektrische Prüfung  durch Anschluss an den PC und - z. B. - 
schreiben dieses Textes und sich dabei an der sauber riechenden Tastatur 
erfreuen. Hi !

Bei der nächsten Tastatur werde ich diese erst mal auseinander schrauben und 
versuchen Mechanik und Elektronik zu trennen und nur das Gehäuse Oberteil mit
den Tasten und das Gehäuse-Unterteil in die Spülmaschine geben.
Das empfiehlt sich sicher besonders bei den sogenannten drahtlosen Funk- oder 
Infrarot Tastaturen, mit Batteriehaltern darin.

Einfach nur noch schwarze Tastaturen zu verwenden, damit man den Dreck nicht 
so sieht, ist wohl keine gute Idee.

Neuerdings habe ich im QRL eine extrem flache Tastatur, ohne die typischen 
würfelförmigen Tastenköpfe, deren Seitenwände man ohne Spülmaschinen-Einsatz 
nie richtig sauber bekommt.

73 de Wilfried, DL1YAI



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