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DL6YCG > QRP      18.09.00 15:06l 273 Lines 13933 Bytes #-9262 (0) @ DL
BID : G12YLUDB0BLO
Read: DL2MHG GUEST
Subj: -NVIS- Tests
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Sent: 000918/1133z @:DB0BLO.#BLN.DEU.EU [Berlin OP:DL7ATG] DP6.00 $:G12YLUDB0BL
From: DL6YCG @ DB0BLO.#BLN.DEU.EU (Bernd)
To:   QRP @ DL 
X-Info: Einspielung ohne Passwortschutz

NVIS fuer den QRPisten und  "Outdoorfreak"
- Erfahrungen -

Fragt man als Newcomer eine Gruppe von gestandenen Funkamateuren was 
fuer eine  Antenne er aufbauen solle,erhaelt er oft einen einfachen Rat. 
So lang wie moeglich und so hoch wie moeglich um bestmoeglich DX machen 
zu koennen. So habe man es schon zu den Vaeter Zeiten im DASD gemacht  
und ausserdem lockt ja doch noch das DXCC.

Schoen und gut, aber was ist wenn ich eigentlich  lieber ein gemuetliches 
Plauschqso auf 40 oder 30 m in Telegraphie mache und die Hektik auf den 
hoeheren Baender eigentlich  meide . 
Allso ein  unverbesserlicher, verstockter Kurzstreckenfunker bin ?

Bei den klassischen Ausbreitungsmodellen geht man  meistens von folgenden 
Modell aus.
Ein Sender strahlt seine Energie ueber die Antenne unter einen bestimmten 
Winkel gegen die reflektierenden Schichten in bestimmten Hoehen ,
wird dort reflektiert und trifft auf den Boden . Dort steht der Empfaenger.
Die Groesse dieser Zone haengt von der Frequenz, Standort, Jahreszeit 
und Uhrzeit ab.
Dann gibts noch um die Antenne die sogenannte Bodenwelle. In dem Bereich 
wo ich die Bodenwelle nicht mehr hoere und die reflektierte Welle noch 
nicht wieder zum Boden reflektierte wurde, kann  mein Signal nicht mehr am 
Boden aufgenommen werden.
Dieser Bereich wird Tote Zone genannt. Mit Stationen in diesem Bereich 
kann ich nicht normalerweise nicht funken. 
Seit einigen Jahren tauchen des oeftere Antennenartikel auf, die sich aus 
Sicht von kommerzeillen Funkdiensten oder NGOs mit diesen Dingen 
beschaeftigen.Leider sind diese Dinge wohl in Deutschland relativ 
unbekannt.. Nur einmal tauchte inder FUNK vor Jahren ein kurzer Artikel auf. 
Dabei finden sich die  gleichen Anforderungsprofile  auch bei uns 
Funkamateuren.
Diese Techniken werden meistens unter den  Begriff  NVIS zusammengefasst.
 
NVIS ist eine Ankuerzung und steht fuer :

Near Vertical   Incidence Skywave

Hier wird nun ein Funksignal einfach  extrem steil ( Bereich 80-90 Grad) 
von einer Antenne Richtung Ionosphaere abgestrahlt. Das Signal wird hier 
"Regenschirmartig" reflektiert. Senkrecht nach Oben und umgekehrt zureuck 
Eine "Tote Zone" habe ich nicht mehr.

Wie sieht nun die ideale Antenne fuer den Kurzstrecken aus ? 
Einmal sollte sie extrem steil strahlen, moeglichst einen Gewinn haben 
und leicht aufzubauen sein. Flache Abstrahlwinkel sind hier absolut 
unerwuenscht. Sie fuehren eben zu dieser unerwuenschten Toten Zone.  
Steilstrahlung kan auch noch in anderen Faellen  wuenschenwert sein 
. z.B. im Gebirge, in einem Tal.

Mit flachstrahlenden Gebilde habe ich dort Probleme.
Bedingt durch die Ausbreitungsbedingungen kommen meistens die Baender 
80 ,40 , 30 m in Frage.

Nun zur Praxis. Welche Antenne nutzt ?

NVIS Antennen sind prinzipiell Rundstrahlantenne. Um die Ausrichtung 
der Antenne in einer Richtung muss ich mir keinen Gedanken machen.

Sehr beliebt sind Doublet Antennen.Allso Gebilde wie G5RV, Doppel-Zepp, 
Dipolen
Sucht man die optimale Antennedaten mit den erforderliche Oeffnunsgwinkel 
von 80-90 Grad und einen Gewinn bei leichten Aufbau , komme ich auf 
Antennenhoehen von 0.1 -0-15  Lambda. Allso Hoehen von 4- 6 m fuer das 
40 m  Band.
Natuerlich kann ich auch eine Inverteed Vee nutzen. Hier bietet sich der 
uebliche Fiebrglasmast als Antenntraeger an. Mit dieser Anordung habe ich 
immer  schon sehr gute Errgebnisse im /p Betrieb erzieln  koennen. 

Meistens habe ich  frueher eine 40 M Inverteed Vee Antenne aufgespannt an 
einem 5 m Fieberglasmast. Ich hatte trotz QRP nie das Gefuehl mit einer 
Kompromissantenne zu funken und bekanm oft sehr, sehr gute Rapporte 
innerhalb Dl und aus den angrenzenden Laendern. Die Antenne ist auch ein 
Rundstrahler.
Den sachverhalt konnten mir die QRP Freaks im OV bestaetigen.

Mich interessierte nun eine andere Frage. Wie tief darf ich denn eine Antenne 
haengen um uberhaeupt funken zu koennen ? Naterlich wieder auf meinem 
geliebten 40 m Band.
Ich kam nach unzaehligen Simulationen mit EZNEC auf  2 m.
Gewinn um Null dbI bei normalen Untergrund.  Allso fast eine S- Stufe weniger 
als bei der Inverteed Vee. 
Geht das  ??? Ich war da sehr skeptisch. In einem Artikel von Patricia 
Gibbbons WA6UBE berichtete sie von positiven Versuchsreihen mit Antennen 
in einem und zwei Meter Hoehe.

Sehr wichtig ist es sich Gedanklich eine wenig umzuorientieren. 
Viele Funkamateure sind Feldstaerkefetischisten. Wichtigster Wert ist 
der S-Wert. Fuer mich ist aber der R-Wert am  wichtigsten. 
Signal von meintewegen 569 sind mit einem guten RX und einen eingermassen 
guten Op auf der Gegenseite gut aufzunehmen.
Noch extremer ist die Sache bei Nutzung von Digitalen Uebertragunsverfahren. 
Das System braucht hier eine bestimmte Feldstaerke um ein Signal zu 
detektieren. Alles was ueber diese Schwelle liegt ist PURE Energie-
verschwendung ! 
Problem ist aber beim Outdoorbetrieb , es gibt fuer den rauhen Amateurfunk-
betrieb keiner nutzbaren Rechner / Modems. Was fehlt ist eine Art 
Communicationsterminal. Ein kleiner,robuster Rechner mit Soundkarte fuer 
PSK 31 / Pactor 2 usw.
Die moderneren  Fernschreibuebertragungsverfahren  sind leider mehr Sachen 
fuer den Heimstationsbetrieb oder fuer Standorte mit einer gewissen 
Infrastruktur. Oder wer macht MT-63 / PSK 31  aus dem Rucksack ? 
Allso bleibt leider zwangsweise nur die "klassische" Morsetelegraphie. 
Leider kann ich aber damit ,jenseits der Propaganda ,nicht das momentan  
technisch Moegliche aus dem System rauskizeln.
Das einzige Argumet fuer High Power ist die oft mangelhafte Betriebstechnik. 
Starke Stationen neigen dazu die QRGs schwacher Stationen zu belegen und 
QRM zu machen. Und ich habe dann  als QRPist Probleme. 

Sicher ketzerische Gedanken. Hoere schon im Ohr das Geschrei, Soeldner der 
RegTP, Enegiewirtschaft, Live is too short for Qrp usw. .................

Die meistens Funkamateure schalten ihr Geraet ein und funken drauf los. 
Klappts nichts so gut auf dem Band ist die Antenne schuld,das Funkgearet, 
der DARC e.V , das Eheweib usw..Schuld. Wenn ich aber gezielt nur bestimmte 
Zielgebiete, allso bis meinetwegen 400 km Radius ereichen moechte, gehts mit 
einer Monobandantenne nur zu bestimmten Zeiten gut. 
Beachte ich dies nicht wird mein duennes Signal zusaetzlich bedaempft und 
die Gegenstelle hat noch mehr seine Probleme mich zu hoeren und ich eine 
Menge Frust. Sende ich aber zur richtigen Zeit mit optimalen Abstrahl-
eigenschaften der Antenne, bin ich laut zu hoeren . Benutzt man einen TXVR 
ohne Agc fallen auch sehr starke Schwankungen in der Feldstaerke auf. 
Dinge die ich mit einem normalen TXVR mit AGC nie bemerkt habe. Wichtig ist 
eine richtige Zeit/Frequenzwahl fuer eine bestimmte Entfernung.

Oft habe ich auf dem Band Stationen mit  nur 1 Watt Output gehoert. 
Ich hatte sie zur falschen Zeit gehoert und hatte riesen Probleme sie 
aufzunehmen. Einige Stunden hoerte ich die Station wieder. Nun war sie 
lauter als manche Feststation mit den ueblichen 100 Watt. 
Sie koennen den nicht optimierten Zustand durch Leistung leicht ausglichen.  
Wir haben aber nur max. 5 Watt zur Verfügung. Evtl. koennten wir nur noch 
auf moderne Datenuebertragungseverfahren ausweichen.


Um die Zeiten zu optimieren bieten sich eine Unzahl von kleinen , einfachen  
Programmen zur Berechnung von Kurzwellenverbindungen an, wie z B. Euro-QSos.
Leider sind sie nur eingeschraenkt nutzbar, da sie mehr fuer die klassischen 
Ausbreitungsmodelle programmiert wurden. Sie sind aber ein guter Anhaltspunkt 
um einen ersten, groben Eindruck der Verhaeltnisse zu bekommen.
Oder in die CQ-DL schauen. Die Seite mit den Ausbreitungsbedingungen. 


Erfahrungen :

Dipol   2m Hoehe :

Ich habe dann einige Tests mit einem Dipol in 2 m Hoehe gemacht fuer 40 m.  
Der horizontal aufgespannte  Dipol musste stark kuerzer gemacht werden als 
in 5 m  Hoehe :.Das SWR war um 1:1.2..  Zuleitung 4 m  Koaxkabel mit 
ueblichen 1:1 Balun. Tests ohne Balun haben aber keinen Unterschied ergeben.

Aubauort war ein grosse Wiese in einem Oeffentlichen Park in Berlin. Leistung 
4 W Outpt aus einem GQ-40. Betriebsart Telegraphie. Im Geraet ein 500 Hz ZF 
Filter. Akku 7AH.

Die Ergenisse waren ueberraschend. Einmal vom Hoereindruck.
Mit der Inverteed Vee hoerte man Signale mit dem ganzen Spektrum der 
moeglichen Feldstaerken. Schaltet man seinen TXVR an einer 2 m hohen Antenne 
ein faellt ein gewisser Unterschied auf. Die Signal sind grob gesagt sehr 
stark oder schwach. Stark sind meistens die Signale von Stationen im Umkreis 
Kurzstrecken von bis zu 300 -400 kM.
Stationen  weiter entfernt sind nur sehr leise zu empfangen.
Die erhaltenen Rapporte reichten im Mittel von 559, oefters 579 bis 599 in 
den Spitze.
Staerkere  Rapporte als 599 habe ich nie bekommen.
Problematisch waren Verbindungen mit den leisen Stationen. Oft klappte es 
nicht. Trotzdem waren zu bestimmten Zeiten, Qsos mit auslaendischen Stationen 
moeglich. Die Feldstaerken waren komischerweise sehr hoch in einem bestimmten 
Zeitplateau. Rein gefuehlsmaessig hatte ich generell den Eindruck, dass 
Verbindungen mit Stationen, die auch steilstrahlende Antennen , Dipol oder 
Doublet,G5RV usw. nutzten , am besten gingen und mit weniger QSB behaftet 
waren. Dies fiel umso mehr auf, da der GQ-40 ja keine AGC hat.
Des oefteren hatte ich Verbindungen mit Stationen im Umkreis von 50 -150 Km 
mit ungewoehnlichen starken Feldstaerken.
Ausnahme, eine Verbindung mit Peter DL2FI. Es ging extremst schlecht von 
Berlin in den Spreewald.  Zu flachstrahlende Antenne bei Peter wg. 
traumhaften Untergrund, falsche Zeit ???

Sehr angenehm wurde der Aufbau empfunden. Keinen Mast mitschleppen, einmal 
recken, die Enden hochziehen,  in 2 Minuten fertig und eben nicht so 
Aufaellig wie ein 7 m Mast mit Abspannung. Sehr bewaehrt hat sich eine Haspel 
zum Aufwickeln.
Sonst verheddert sich alles und man fuehlt sich schnell wie ein Indischer 
Schlangenbaendiger. Und in den Draehten bleibt gegenueber 1 m Hoehe niemand 
haengen.

Sehr bewaehrt haben sich  auch kleine Gummispanner fuer Radkoerbe am Ende 
der Isolierschnurr. Sie halten die Antenne durch die Gummispannung optimal 
in horizontaler Stellung und verhindern ein Durchhaengen.

Teilweise wurde unter dem Dipol ein Erndnetz in X-Form bestehend aus 
¬ Lambda Draehten gelegt. Es konnte eine Veraenderung des SWR bemerkt 
werden.
Der Fusspunktwiderstand  sank. Angeblich sollen durch die Radiale der Gewinn 
der Antenne gesteigert werden. Einen grossen Unterschied konnte in den 
Rapporten aber real nicht bemerkt werden.Sicher eine andere Sache, wenn ich 
meine Antenne in Gegenden mit einem extrem schlechten Untergrund, wie Wueste 
oder felsiger Untergund aufbaue. Auf einem Flohmark habe ich dann das 
Gegengewichtsnetz fuers GRC-9 auf einer Haspel ergattern koennen.  
Diese Gebilde wird nun prinzipiell auf dem Boden unter der Antenne 
sternfoermig ausgebreitet.

Tests auf 80 m wurden nicht gemacht. Evtl. in einem Urlaub. Die passenden 
Bedingungen stellen sich bei Daemmerung oder spaeten Abend ein. 
Nur wer treibt sich da schon freiwillig in einem dunklen Park rum ? und macht 
Antennenexperimente.
Und richtig gut gehts eh nur in den kaelteren  Jahrezeiten auf 80 m. 
Und wer friert schon gerne ??


Dipol   1m Hoehe :

In der Literatur wurden  positive Tests mit Dipolen in 1 m Hoehe beschrieben. Dies scheint das absolute Minimum fuer 40 m zu sein und mehr etwas fuer die ganz Unerschrockenen. Sie sind leider  auch sehr gute Stolperfallen.

Angeblich hat die 1m Ausfuehrung einen Mindergwinn ,gegenueber 2m Hoehe ,
von einer 1 S-Stufe. Evtl. kann ich dies durch groessere Drahtlanegen 
ausgleichen.Allso 2 x 5/8 Lambda lang. Problem nun, es wird ein Anpass-
netzwerk gebraucht um auf die ueblichen 52 Ohm zu kommen.
Normalerweise montiert man ein Anpassnetzwerk direkt zwischen  Antenne und 
Feeder bei Koaxleitungen. Durch die kurze Laenge der Zuleitung wird man 
sicher ohne Probleme den internen  Autonatiktuner nutzen koennen ohne viel  
falsch zu machen.
Mit diesem Gebilde wurde auch einige Tests gemacht. Hatte den Eindruck das 
Ding ist 2 S-Stufen schwaecher als die Inverteed Vee und einer gegnueber 
in 2m Hoehe.
Teilweise habe ich die Antenne bei den Verbindungen von 1 auf  2  m 
hochgezogen.
Unerklaerlicherweise gaben mir 3 Stationen einen 1-2 S-Stufen besseren 
Rapport bei dem 1 m Aufbau gegenueber 2m Hoehe.Ein Joke ?? 
Alle Dinge sind aber oft sehr relativ. Eine S-Stufe kann ich durch 4 mal 
soviel Leistung ausgleichen. Allso 20 w. Die andere Station wuerde keinen 
Unterschied merken. Die Minderleistung  beim Empfang kann ich aber oft 
verschmerzen. Noch guestiger sieht das bei Nutzung von Digitalen Funkueber-
tragungsverfahren aus. Ob 56 oder 55, weil die Antenne tiefer haengt ,ist 
dem Modem / Rechner schnuppe.

Es wurden auch einige Tests mit einem 30 cm uber den Erdboden verspannten 
Dipol auf 40 m gemacht.Selbst damit waren Qsos moeglich. Zwar waren die 
Rapporte  natuerlich  schlechter, aber immerhin , QSOs waren  auch hier noch  
moeglich.
Der Antennenmindergewinn gegenueber einen hohen Dipol hier natuerlich 
extremst schlecht.
 
Solche Experimente sind sehr spannend. Man lernt eine Menge. Man hoert die 
Station, die man arbeiten moechte. Denkt, das kann doch nicht gehen ? 
Spannung wie vor der XMAS Beschehrung ..Herzklopfen ....Und nach dem ersten 
Anruf kommt sie zurueck.


Informationen ueber NVIS findet man leicht im Internet. Bei Nutzung einer 
Suchmaschine findet der geneigte Interessierte die entsprechenden Links 
und Informationen.

Es gibt auch ein execellentes Buch ueber diese Problematik in den Staaten.

Titel : Near Vertical  Incidence Skywave Communication
Theory, Techniques and Validation
Kostenpunkt  14 $
 via
World Radio Books
Box  189 490
Sacramento, CA 95818  
USA

Viel Spass beim  Experimentieren und evtl. Aergern !

Bernd      DL6YCG    



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