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DK3CZ > IMKER 03.06.97 16:09l 130 Lines 6648 Bytes #999 (999) @ DL
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Subj: Juni
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Liebe Imker-u.Funkfreunde,
Das erste halbe Jahr neigt sich langsam dem Ende.
In der Imkerei gehen wir auf den Höhepunkt zu.
Es ist kaum zu glauben aber in knapp drei Wochen ist der längste
Tag und die kürzeste Nacht, also Mittsommer!
Die Völker haben den Höhepunkt erreicht, oder sollten ihn
zumindest erreicht haben. Was auf Grund der schlechten Witterung
im Mai und jetzt Anfang Juni wohl bezweifelt werden darf. Die
Honigräume sind noch fast leer und es sieht garnicht gut aus. Die
Bienen beißen, zumindest in unseren Breitengraden, teilweise
schon die Brut aus und einige Völker sind, schon seit langem
nicht mehr, Kalkbrütig geworden. Eigentlich wäre die Zeit,
Abläger zu machen und so für junge Völker zu sorgen.
Ich konnte bisher noch nicht einmal Schwarmstimmung feststellen,
denn die verabreichten Mittelwände (10) sind erst zur hälfte
ausgebaut. Im letzten Jahr habe ich am 6.6. und 19.6. ge-
schleudert, also schon 2/3 der Gesammternte eingefahren!
In der Regel würde man um diese Zeit die Völker schröpfen und
Kunstschärme ziehen.
Ich weiß nicht ob man die Verfahren so genau beschreiben soll,
aber ich nehme an, daß doch einige Jungimker unter den Lesern
sind und vielleicht etwas davon anwenden können.
Kunstschwarm.
Es werden aus verschiedenen Völkern Bienen in einen Kasten
zusammengestoßen, aber vorsicht, auf die Königin achten und ev
über einem Absperrgitter arbeiten. Man kann natürlich aber auch
erst die Königin in dem jeweiligen Volk suchen und in einen Käfig
stecken bis die Arbeit abgeschlossen ist. Dies ist für die
Stockmutter die schonendere Art und es kommt zu keinen
Königinenverlust durch einkneulen. Danach kann man Volk für Volk
auf diese Weise um die Bienen bringen.
Hat man genügend Bienen in einen Kasten wird dieser verschlossen,
aber vorsicht eine gute Belüftung sollte vorhanden sein, sonst
können die Bienen verbrausen. Es sollte auch die Möglichkeit
bestehen den Bienen Futter zu geben und einen Zusatzkäfig
einzubringen.
Die Bienen werden danach in Dunkelhaft gegeben und nach ein paar
Stunden (2-3) merken die Bienen daß sie weisellos sind.
Jetzt kann man nahezu gefahrlos eine neue Weisel im Zusatzkäfig
einhängen. Bevor man den Verschluß zum Einhängen öffnet den
Kasten kurz stauchen daß die Bienen auf den Boden fallen, sonst
drängeln sie alle aus der Öffnung.
Nun muß dem Volk auch Futter gegeben werden, am besten
Zuckerwasser 1:1, denn die Bienen konnten keinen Futtervorrat für
ihre nicht geplante Reise mitnehmen. Die Bienen hängen sich nun
in der Kiste zu einer Bienentraube auf, um die Königin im Käfig.
Nach drei Tagen im Keller kann man das Volk dann auf den Stand
bringen. Aber vorsicht, manche Flugbienen könnten sich ev. noch
an ihren alten Platz erinnern und die anderen Stockbienen
animieren sich hier ihr Futter zu holen. Also Flugloch klein
halten. Am besten an einen anderen Standort bringen.
Natürlich bekommt jetzt das Volk nur Mittelwände angeboten die es
auch bereitwillig ausbaut. Jetzt kann auch die Königin
freigelassen werden. Das neue Volk muß aber weiter beobachtet und
gefüttert werden, bis genügend Flugbienen vorhanden sind um das
nötige Futter herbeizutragen
Bis zum Herbst haben wir ein sehr starkes und leistungsfähiges
Volk für das nächste Bienen/Honigjahr.
Wer sich noch nicht fit fühlt Königinen selbst zu züchten sollte
sich in der Nachbarschaft umhören oder von einem anerkannten
Züchter sich Königinen schicken lassen. Natürlich sollt nur von
guten Völkern nachgezüchtet werden. Hier zählen besonders,
Schwarmträgheit und Sanftmütigkeit zu den erforderlichen
Merkmalen, ein Stecher am Stand bringt vielleicht ein wenig mehr
Honig, aber bestimmt mehr Ärger!
Schwarmverhinderung durch Königinenableger.
Diese Betriebsweise bevorzuge ich besonders.
Wenn ich ein Volk mit Weiselzellen erwische dann verstelle ich
das Volk. An die alte Stelle gebe ich wieder ein Beute in
gleicher Farbe. Dort hinein kommen nun zwei Waben mit aus-
aufender Brut und zwei Weiselzellen. Zwei deshalb, damit ich auf
der sicheren Seite bin.
Die Flugbienen kehren nun alle zurück auf den alten Platz. Das
Restvolk hat noch die alte Königin und nur noch Stockbienen, also
keine Schwarmgefahr mehr!
Dieses Volk stelle ich nun genau auf das alte Volk auf den
gleichen Platz. An meinen Wanderständen habe ich dafür eigens
Flugbretter, in der entsprechenden Höhe angebracht.
Es kommt eine ganz normale Beute zum Einsatz!
Bei der Erlanger Beute geht das allein schon durch das Streck-
metallgitter viel besser, weil der Stockgeruch erhalten bleibt.
Jetzt gehe ich genauso vor wie bei dem Kunstschwarm, das Volk
wird gefüttert aber auch mit kleinstem Flugloch. Nun habe ich es
in der Hand, entweder das Volk nach 2-3 Wochen wieder mit der
alten königin zu vereinen, natürlich muß dann die neue Weisel
gefangen und abgedrückt werden, oder ich fang die alte Königin
heraus und habe so eine junge Stockmutter.
Diese Betriebsweise bevorzuge ich wegen des geringen arbeits-
aufwandes.
Es gibt sicher noch andere Methoden, aber die muß jeder selber
herausfinden.
Ich kaufe mir alle zwei bis drei Jahre unbegattete Königinen von
einem Züchter mit dem ich schon fast zwanzig Jahre zusammen-
arbeite.
Standbegattung.
Einen Tag bevor ich die Königinen erhalte richte ich mir
Mehrwabenkästchen aus Styropor her. Ich schröpfe die Völker, wie
schon vorher beschrieben. Die Bienen bekommen einen Tag
dunkelhaft. Am Ankunftstag der Königinen befülle ich dann diese
Mehrwabenkästchen mit ca. zwei bis drei Schöpflöffel Bienen. Es
kommt Futterteig in den vorgesehenen Raum, aber vorsicht nicht zu
flüßig sonst verkleben die Königinen darin. Diese werden nämlich
noch nicht gefüttert und müßen selbst fressen. Erst nach der
Begattung werden die Königinen gefüttert. Ich decke das Futter
deshalb mit einer Folie ab und lasse nur ein Loch ca 30mm offen.
Diese Begattungskästchen stelle ich nun am Stand zur Begattung
auf.
Auf der Belegstelle sind diese Mehrwabenkästchen nicht zugelassen
weil ein Drohenkontrolle nicht durchgeführt werden kann.
Nach ca. 2 Wochen sind die Königinen begattet und können dann in
die Völker gebracht werden.
Jetzt erst werden die Königinen gezeichnet!
Deshalb, damit durch den Klebstoff nicht ev. ein Flügel
beschädigt wird und vor allem wegen der Leuchtfarbe der
Opalplättchen, die von Vögeln sehr gut eingesehen werden können.
So nun hoffe ich, daß ich Euch nicht einen alten Hut erzählt
habe. Ich weiß aber, der Martin, DL2NED, lauert jeden Monat auf
diesen Bericht.hi!
Nun wünsche ich Euch volle Honigtöpfe und verbleibe mit den
besten 73 Euer Imker-u.Funkfreund Walter, DK3CZ
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