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DK8FI > IMKER 18.11.96 21:08l 92 Lines 5031 Bytes #999 (999) @ DL
BID : IB6DB0NDK007
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Subj: Antwort an DL2NED
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Sent: 961118/1856z @:DB0NDK.#NRW.DEU.EU [Niederkassel/Bonn-JO30MU] BCM1.38
From: DK8FI @ DB0NDK.#NRW.DEU.EU (Edi)
To : IMKER @ DL
Hallo Martin und alle Freunde unserer Runde !
Wie ich feststellen muß, antwortet auch Dir, lieber Martin, niemand
auf Deine Anfrage. Aber vielleicht ist Dir ja eine Antwort in Deiner
persönlchen Box zugegangen. Ich möchte Dich als "Gründermitglied"
der Imkerrubrik recht herzlich begrüßen. Folgende Themen umfaßt
Deine Anfrage:
1. Ausbeute beim Sonnenwachsschmelzer
Der Sonnenwachsschmelzer (Abk. SWS) kann nicht mehr Wachs aus einer
Altwabe ausschmelzen als sie enthält. Es ist richtig, daß dies
nicht wesentlich mehr ist als die ursprünglich vorgegebene Mittel-
wand. Ein Kilogramm Wachs ergibt 13 gewalzte Mittelwände im Zander-
maß. Gegossene Mittelwände sind etwas dicker und daher schwerer.
Bezogen auf den vorhandenen Wachsanteil ist die Ausbeute beim SWS
mindestens so gut wie bei anderen Verfahren. Er funktioniert aller-
dings nur im Sommer und bei wolkenfreiem Himmel, und da bist Du
vielleicht QRL mit dem Studium.
Die Bienen machen sich das so einfach wie möglich. Wenn eine Mit-
telwand vorgegeben wird, produzieren sie kaum zusätzliches Wachs,
sondern ziehen die Mittelwand zu Waben aus. Sie bauen also die Wa-
ben aus dem Wachs der Mittelwand. Zum Verdeckeln des Honigs reicht
aber dieser Vorrat nicht mehr aus. Das Entdeckelungswachs fällt
also mindestens als Gewinn für den Imker an. Du kannst den Gewinn
an Wachs also nur dadurch erhöhen, daß Du die Bienen mehr zum
Wachsschwitzen zwingst. Ich füge dazu immer eine Wabe ohne Mittel-
wand zwischen zwei vorhandene ausgebaute Waben ein. Da immer Altwa-
ben vorhanden sind, benötige ich also überhaupt keine Mittelwände
mehr. Andere Imker setzen nur einen 3 cm breiten Anfangsstreifen
als Bauhilfe zum Wabenbau ein. Sie bestücken so mit einer Mittel-
wand 6 Waben.
Als Sonnenwachsschmelzer benutze ich eine dickwandige hölzerne
Schublade. Diese habe ich mit schwarzer Folie ausgekleidet und mit
einer Isolierglasscheibe eines alten Fensters abgedeckt. Darin be-
findet sich eine Kupferwanne mit der Altwabe. Das Ganze wird auf
optimalen Sonneneinfall ausgerichtet. In der letzten Aktion "Jugend
forscht" hat einer den 1. Preis gewonnen, weil er über eine Steu-
erung die "Schublade" der Sonne nachgeführt hat. Das ist mir zu
aufwendig, aber da Du Dich mit Parabolspiegeln beschäftigst, fällt
Dir eine solche Steuerung vielleicht leichter.
2. Alternative Methoden
Die Methode mit dem Waschkessel und dem Leinensack wurde von Dieter
, DL5KT in seinem Beitrag "Wachsaufbereitung" sehr gut beschrieben.
Diese Methode scheint mir für Deine örtlichen Gegebenheiten recht
gut geeignet zu sein. Du kannst dabei durch einmaliges Aufheizen
des Kessels 20 Waben und mehr in einem Arbeitsgang ausschmelzen und
brauchst nicht ständig dabei zu sein. Wachs und Rähmchen werden
sauber und sind auch gegen einige Bienenkrankheiten desinfiziert.
Die Sporen der Faulbrut überleben leider Temperaturen bis 130øC und
werden mit siedendem Wasser noch nicht abgetötet. Dies ist eben
eine der berühmten Ausnahmen.
Ich selber habe so einen Waschkessel nicht, und es fallen bei mir
auch selten 20 Waben auf einmal an. Ich verwende in der kalten Jah-
reszeit zum Einschmelzen einzelner Waben nacheinander den Backofen
eines Elektroherdes. In den Backofen lege ich ein emailiertes Back-
blech mit aufgelegter Altwabe absichtlich schräg ein. Den Tempera-
turregler stelle ich auf 80øC ein, damit das Wachs nicht lokal über
100øC erhitzt wird. Die Schmelze läuft dann auf einer Seite des
Backbleches zusammen und läßt sich abgießen. Wichtig ist, daß das
Wachs nicht mit unlegiertem Stahl in Berührung kommen darf , da
sonst die bekannten Verfärbungen des Wachses auftreten. Auch zu
große Hitze zerstört das Wachs, sonst würde ja auch eine Kerze
nicht brennen. Im Handel werden für dieses Verfahren Backofenein-
sätze aus Edelstahl angeboten. Zu beachten ist jedoch, daß die Ab-
messungen der "Braten" offensichtlich nicht genormt sind. Eine
Nacherhitzung der bereits ausgeschmozenen Waben auf 130øC zur Des-
infektion ist möglich. Ich möchte nicht verschweigen, daß das Aus-
schmelzen mit dem Backofen eine Geruchsbelästigung der unmittelba-
ren Nachbarschaft darstellt. Man sollte daher schon mal auf die
Windrichtung achten und die Arbeit nicht am Sonntag ausführen.
Es hat mich gefreut wieder etwas von Dir, lieber Martin, gehört zu
haben. Ich hoffe ich konnte Dir etwas helfen. Deine Bienen scheinen
ja zu leben. Ich will jetzt mal schließen, damit die Mail nicht zu
lang wird. Es grüßt Dich und alle Freunde unserer Runde
der Kölner Funk Imker, DK8FI.
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º Û²±° Viele Grüße von E d i aus K o e l n °±²Û º
º Û²±° DK8FI @ DB0NDK QRG 430.675 MHz °±²Û º
º Û²±° 18.11.1996 19:00 MEZ °±²Û º
ÈÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍÍͼ
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