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DK8FI > IMKER 04.10.96 22:46l 73 Lines 4037 Bytes #999 (999) @ DL
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Subj: Re: "Und es gibt "SIE" doch!"
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Sent: 961004/1922z @:DB0NDK.#NRW.DEU.EU [Niederkassel/Bonn-JO30MU] BCM1.37t
From: DK8FI @ DB0NDK.#NRW.DEU.EU (Edi)
To : IMKER @ DL
Hallo Walter (DK3CZ) und alle Freunde unserer Runde!
Ich bedanke mich dafür, daß Du uns auf den interessanten Fernseh-
beitrag über Bienen hingewiesen hast. Leider war ich an dem betref-
fenden Nachmittag in der Kölner City. Dort war eine Handwerkeraus-
stellung von Anno dazumal, d.h. Darstellung von Berufen aus dem
Mittelalter. Die Zeidler waren leider nicht vertreten. Es haben
sich anscheinend keine Imker gefunden, die das präsentieren woll-
ten. So kam es, daß ich Deine Mail erst nach dem Fernsehbeitrag
ausgelesen habe.
Du hast uns zum Trost den Inhalt der Sendung in der Mail "Und es
gibt "SIE" doch!" dann ausführlich beschrieben. Wenn wir jetzt auch
etwas bravere Bienen haben wollen, müssen wir uns wohl mal an Imker
Noichel in Gelsenkirchen wenden. Von Köln aus ist das ja garnicht
so weit entfernt.
Am 1. September ist Bruder Adam aus dem Kloster Buckfast im Alter
von 98 Jahren gestorben. Seit seinem 12. Lebensjahr war er in der
Imkerei tätig und hat später die Imkerei des Klosters mit ca. 300
Völkern geleitet. Buckfast liegt in Südengland. Bruder Adam war
gebürtiger Deutscher aus Mittelbiberach in Württemberg. Ich will
hier nicht weiter auf seine Biographie eingehen, aber die Fach-
zeitschriften sind voll davon.
Seine wesentliche Lehre war, daß es nicht auf die Reinrassigkeit
der Bienen ankommt, sondern auf eine ständige Selektion im Hinblick
auf die gewünschten Eigenschaften. Er hat dazu immer vier Völker
als Gruppe aufgestellt, wobei jedes Volk das Flugloch in eine ande-
re Himmelsrichtung hatte. Als Beute verwendete er völlig quadrati-
sche Dadant-Magazine mit 12 Waben. Die Magazine setze er immer um
90ø versetzt aufeinander. Dadurch wurde vermieden, daß die Waben
miteinander verbaut wurden. Dies erfolgte nur noch an den Kreuz-
ungspunkten. Für seine Zucht der Buckfast-Biene hat er Bienenrassen
aus ganz Europa und Afrika eingekreuzt.
Ich erwähne dies mal, weil hier viele bekannte Lehrmeinungen auf
den Kopf gestellt werden:
-Reinrassigkeit
-Flugloch nach Südosten
-Kalt- oder Warmbau
Bezogen auf Deinen Bericht ist in vielen Punkten eine große Über-
einstimmung mit der Lehre von Bruder Adam festzustellen:
"Nur durch intensive Zuchtarbeit und Selektion wurde diese sanfte
Bienenrasse gezogen."
An einer Stelle tritt scheinbar eine Abweichung auf:
"Denn durch Besserwisserei und Einfuhr von Bienenköniginen aus dem
Ausland kommt es immer wieder zu unerwünschten Kreuzungen die nicht
nur für uns Imker zum Ärgernis führen."
Wenn man berücksichtigt, daß die Zuchtarbeit und Selektion nie ab-
geschlossen ist, sondern ständig fortgeführt werden muß, ist der
Schaden durch Einfuhr möglicherweise in Grenzen zu halten. Das Pro-
blem liegt vielleicht eher in der Verschleppung weiterer noch unbe-
kannter Parasiten wie der Varroa aus Indien oder der Züchtung einer
aggressiven Rasse wie der sog. Killerbiene in Amerika.
Auf der letzten Hauptversammlung der Imker wurde auch die Problema-
tik der Genmanipulation angesprochen. Hier ist die Biene direkt,
aber auch indirekt betroffen. Den Raps mit insektenfreier Befruch-
tung haben wir schon auf unseren Feldern. An den selbstbefruchten-
den Apfelbäumen wird noch gearbeitet. Der Mensch will das Fazit des
Beitrages,"Ohne Bienen geht es nicht!", außer Kraft setzen.
Ich denke wir sollten uns die Freude an unseren Bienen nicht nehmen
lassen. Jedenfalls von der Idee eine inselbegattete reinrassige
Carnica-Königin zu kaufen bin ich schon etwas abgerückt. Eher neige
ich zu einer sanftmütigen Dame aus Gelsenkirchen oder aus Buckfast.
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º Û²±° Viele Grüße von E d i aus K o e l n °±²Û º
º Û²±° DK8FI @ DB0NDK QRG 430.675 MHz °±²Û º
º Û²±° 04.10.1996 20:40 MESZ °±²Û º
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